Fragen und Antworten

1. Was ist Neurodivergenz?

Der Begriff Neurodivergenz ist relativ jung und wurde um 2000 von der Aktivistin Kassiane Asasumasu eingeführt. Neurodivergenz ist keine Diagnose, der Begriff beschreibt, dass eine Person neurologisch deutlich von der gesellschaftlich anerkannten Norm abweicht – dem sogenannten Neurotypischen. Die einzelnen Ausprägungen, z.B. ADS/ADHS, Spektrum Autismus, Legasthenie, Hochsensibilität, Dyskalkulie, Synästhesien, können diagnostiziert werden. Es ist ein Zeichen für die natürliche Vielfalt menschlicher Gehirne

2. Was kann an Angst gut sein?

Angst ist eines der klügsten Überlebenswerkzeuge, das die Evolution je entwickelt hat.

Stell dir vor, du siehst einen Säbelzahntiger. Dein Körper müsste in Sekundenbruchteilen koordinieren: Verdauung herunterfahren, Adrenalin ausschütten, Immunsystem pausieren, alle Energie in die Beine – und das alles als einzelne Anweisung an jeden Körperteil? Wir wären viel zu langsam gewesen.

Gefühle lösen dieses Problem. Sie sind wie ein Effizienztool des Gehirns. Ein einziges Signal: Angst, koordiniert hunderte Körpervorgänge gleichzeitig. Wut mobilisiert zum Kämpfen. Freude zeigt dem System: das hier ist gut, mehr davon. Ekel schützt in Sekundenschnelle vor Vergiftetem.

Das Problem ist nicht die Angst an sich. Das Problem entsteht, wenn das Nervensystem dauerhaft Säbelzahntiger sieht, obwohl da keiner ist (oder seine neuzeitliche Ausprägung schon längst wieder weg ist). Dann wird das Überlebenswerkzeug zur Dauerlast.

3. Warum sind alle pflanzlichen und anderen Nahrungsergänzungsmittel wissenschaftlich nicht belegt oder zeigen von Person zu Person und sogar bei derselben Person von einem Moment zum anderen sehr stark schwankende Ergebnisse?

Zunächst eine Korrektur: „wissenschaftlich nicht belegt“ stimmt pauschal nicht. Es gibt Nahrungsergänzungsmittel mit sehr guter Forschungslage:

Kreatin gehört zu den am besten erforschten Substanzen überhaupt. Die Wirkung auf Muskelkraft und auf kognitive Leistung ist gut belegt. Vitamin D hat jahrzehntelange Forschung hinter sich: Knochengesundheit, Immunsystem, Stimmung. Omega-3-Fettsäuren sind umfangreich untersucht für Entzündungshemmung, Herzgesundheit und Gehirnfunktion. Magnesium, besonders Magnesiumglycinat hat gute Belege für Nervensystem, Schlaf und Muskelentspannung.

Was aber stimmt: Die Wirkung hängt extrem stark von der individuellen Ausgangslage ab. Wer keinen Vitamin-D-Mangel hat, profitiert kaum von der Supplementierung. Wer einen starken Mangel hat, kann dramatische Verbesserungen erleben. Dazu kommen Einflussfaktoren wie Darmgesundheit, Genetik, Hormonstatus, Tageszeit der Einnahme, all das beeinflusst, wie viel der Körper tatsächlich aufnimmt und verwertet.

Dazu gibt es sehr viele Wechselwirkungen. Z.B. sind Magnesium und Kalzium im Körper eines von vielen Gegenspieler-Paaren. Zu viel Kalzium verdrängt Magnesium. Viele Menschen supplementieren Kalzium für die Knochen und verschlechtern dabei ihren Magnesiumstatus.

Und auch die biochemische Form eines Supplements kann dessen Aufnahme verhindern. Viele B-Vitamine muss der Körper erst in seine aktive Form umwandeln. Wer die dafür nötigen Enzyme (durch andere Nährstoffmängel!) nicht ausreichend hat, kann Vitamin B supplementieren und trotzdem einen Mangel haben. Das Supplement kommt schlicht nicht an.

Warum jemand heute auf ein Supplement anspricht und nächste Woche nicht, obwohl es dasselbe Produkt, dieselbe Menge, dieselbe Uhrzeit ist, kann ebenfalls viele Gründe haben: Der Stresslevel im Moment der Einnahme verändert über Cortisol direkt die Durchlässigkeit der Darmschleimhaut und die Enzymaktivität. Der Darmzustand schwankt täglich je nach Schlaf, Ernährung und Mikrobiom. Der Hormonzyklus verändert Aufnahme und Bedarf vieler Nährstoffe je nach Phase erheblich. Und bei akuter Entzündung entscheidet der Körper aktiv um, wohin Nährstoffe gehen.

Zusammenfassend: Das Supplement ist dasselbe, wir sind es biochemisch nicht immer!

4. Werden hochsensible Menschen häufiger krank?

Ja – mit einer wichtigen Unterscheidung: Die Anfälligkeit ist höher!

Der Hauptmechanismus ist das Nervensystem: Ein hochsensibles System verarbeitet dauerhaft mehr Reize, läuft öfter im Alarmmodus und schüttet entsprechend mehr Cortisol aus. Cortisol wiederum schwächt die Darmschleimhaut, verändert das Mikrobiom und belastet das Immunsystem Wer seinen Cortisolspiegel kennt, Pausen ernst nimmt, gut schläft, sich gut ernährt und Reizüberflutung bewusst reduziert, kann aber auch als hochsensible Person sehr gesund leben.

5. ADS (Aufmerksamkeitsdefizit-Störung) wie passt das in dein Modell

Zunächst das Wichtigste: ADS ist eine Form der Neurodivergenz: das Gehirn funktioniert anders, nicht falsch. Es gibt nichts zu reparieren. Die Frage ist für mich nicht wie man ADS loswird, sondern wie man gut damit umgeht.

Im Modell kann ADS auf allen Ebenen zugeordnet werden, hier jedoch nicht als Störung, sondern als Variante! Ein Nervensystem das anders reguliert, anders auf Reize reagiert, anders mit Fokus und Energie umgeht. Der Körper, mit einer anderen Biochemie, vor allem in der Dopaminregulation und in der Art wie das Gehirn strukturell aufgebaut ist. Die Energieebene, die stagnationsanfällig auf dem Leber-, Milz- und Herzmeridian ist. Und eine Psyche, die mit den Folgen dieser Andersartigkeit umgeht, mit dem was entsteht, wenn ein anders verdrahtetes Gehirn auf eine Welt trifft, die auf Neurotypisches ausgerichtet ist.

Dieses Thema verdient mehr Raum als eine Mail-Antwort hergibt, ich behalte es im Blick für ein eigenes Format.

6. Begleitest du auch Einzelpersonen individuell?

Ja, ich begleite auch Einzelpersonen individuell. Wer Interesse hat, meldet sich einfach per Mail – ich freue mich über jede Anfrage und schaue dann gemeinsam mit dir, was passt.

7. Wie arbeitest du praktisch mit einem Menschen der krank ist? Welche Struktur/Sequenz haben deine Interventionen? Wie viel Intuition, wie viel Wissen – und woher kommt das Wissen? Welches Feedback gibst du?

In meiner Arbeit geht es nicht darum, den Körper oder die Psyche zu reparieren oder Symptome wegzubekommen. Es geht darum zu erkennen, welche Kräfte zusammenwirken und was alles dazu gehört. Ich suche die Logik hinter den Symptomen.

Meine Art zu denken ist stark vernetzt. Ich erkenne Muster oft intuitiv bevor ich sie analytisch benennen kann. Das Wissen dahinter kommt aus jahrzehntelanger Auseinandersetzung mit Biochemie und Psychosomatik, aus Ausbildungen wie z.B. in EFT, EDXTM, lösungsfokussierter Therapie und meiner Arbeit als Heilpraktikerin für Psychotherapie. Ich arbeite methodenreich, aber nicht methodengebunden.

Zur Struktur: Oft bringt schon eine Erstsitzung etwas wenn wir tief genug einsteigen. Für nachhaltige Veränderung empfehle ich sechs aufeinander aufbauende Termine, mit Abständen die davon abhängen, wie schnell das Angestoßene im Alltag landen kann.

Feedback und Interventionen biete ich auf allen Ebenen an: Ich benenne was ich im System sehe und zeige auf, welche Zusammenhänge ich erkenne. Auf der körperlichen Ebene schaue ich z.B., wo Nährstoffe fehlen könnten und was der Körper braucht. Ich empfehle welche Blut- und Körper-Werte gemessen werden sollten, gebe Orientierung zur Ernährung wie z.B. Blutzuckerstabilisierung oder entzündungshemmende Ernährung und helfe herauszufinden, auf was der eigene Körper reagiert.

Dazu kommt die Arbeit mit dem Nervensystem: Anleitung von Atemtechniken, Körperbewegung, Meditation, ich habe eine Vielzahl an Methoden, um das Nervensystem individuell zu regulieren und zu trainieren.

Auf der psychischen und energetischen Ebene lösen wir z.B. Glaubenssätze, schauen uns an was in der Biografie noch nachwirkt, klären Muster und schauen wo Blockaden auf Energiebahnen bestehen können. Innere Anteile können dabei genauso eine Rolle spielen wie körperlich gespeicherte Erfahrungen.

Was ich mir für jeden Menschen wünsche, mit dem ich arbeite: besser zu verstehen wie die Zusammenhänge sind, zu erkennen, was sie bewirkt hat und zu wissen, was ich selbst tun kann um es zu verändern. Und mit ein bisschen mehr Zuversicht zu gehen, als ich gekommen ist.

8. Wie ist Trauma im Modell abgebildet?

Ein Trauma trifft alle vier Heilungsebenen gleichzeitig. Der Trigger sitzt im Nervensystem. Die Geschichte dahinter in der Psyche. Die körperliche Reaktion im Körper. Und das Energiefeld zeigt die gesamte Desregulation in Form von Blockaden auf Meridianen, oder einer schlechten HRV (Herzratenvariabilität). Das ist kein entweder – oder. Das ist immer alles zusammen.“

Und genau deswegen arbeite ich mit diesen vier Ebenen. Weil es nicht reicht, nur auf einer zu arbeiten. Wer Trauma streng psychotherapeutisch angeht, erreicht den Trigger im Nervensystem nicht. Wer nur das Nervensystem reguliert, lässt die Geschichte in der Psyche unberührt. Wer nur körperlich arbeitet, übersieht die Trigger. Und wer nur auf der Energieebene arbeitet, verankert die Heilung nicht im Körper.

9. Kannst du zu deinem Modell ein Beispiel geben?

Angenommen, Du hast oft Bauchschmerzen, und vermutest, dass du Erdnüsse nicht verträgst. Die Ärztin stellt eine Allergie fest und sagt: keine Erdnüsse mehr essen, dann wird alles gut.

Die Allergie ist die Ursache des Symptoms aber nicht die Ursache, warum dieses Geschehen entstanden ist. Was kam also vorher: Bestimmte Stoffwechselvorgänge im Darm haben lange davor nicht funktioniert und deswegen sind unvollständig verdaute Proteine aus der Erdnuss in die Blutbahn gelangt. Dein Immunsystem hat sie als fremd erkannt und Antikörper dafür entwickelt, die Proteine gehören dort nämlich tatsächlich nicht hin, das ist seine Aufgabe. Die Allergie ist nicht die Ursache der Beschwerden sondern ebenfalls Symptom. Was steckt dahinter? Der Zustand deines Darms. Du findest dort dann oft eine Dysbiose also ein Ungleichgewicht im Darmmikrobiom oder ein Leaky Gut also einen erhöhte Durchlässigkeit der Darmschleimhaut, und meistens beides zusammen. Das ist die eigentliche Baustelle. Nicht die Erdnuss. Auch nicht die Allergie, die ist nicht die Krankheit, sie ist die absolut logische Antwort des Immunsystems auf etwas, das im Darm schon lange nicht mehr stimmt. Und wenn du jetzt auf die anderen Ebenen schaust: eine gestörte Darmflora verändert auch das Nervensystem. Der Darm und das Gehirn sprechen direkt miteinander, über den Vagusnerv. Schlechter Schlaf, Angst, Reizbarkeit – das kann alles aus dem Darm kommen und begleiten oft Allergien. 90 Prozent des Serotonins also unseres Glückshormons werden im Darm produziert. Wenn du also auch noch unter Depressionen leidest, weisen alle Pfeile Richtung Darm.

Die eigentliche Ursache sitzt also tiefer und früher. Das ist das, was du auf den Heilungsebenen finden kannst

Wenn wir uns jetzt auch die Einflussgrößen anschauen, dann sieht das folgendermaßen aus:

Biografie: z.B Ein Kind das früh viel Antibiotika bekommen hat, hat ein verändertes Mikrobiom. Das Immunsystem hat in dieser Zeit gelernt, falsch zu reagieren. Jahrzehnte später zeigen sich die Allergien, Autoimmunerkrankungen und chronischen Entzündungen. Die Ursache liegt in der Kindheit, das Symptom zeigt sich erst im Erwachsenenalter.

Versorgung: Wer über Jahre zu wenig Ballaststoffe isst, hungert seine Darmbakterien aus. Die Darmschleimhaut wird durchlässiger, das Immunsystem desreguliert. Resultat: Nahrungsmittelunverträglichkeiten, die vorher nicht da waren.

Stress: Chronischer Stress erhöht Cortisol dauerhaft. Cortisol unser Notfallhormon schwächt die Darmschleimhaut und verändert das Mikrobiom. Menschen die jahrelang unter hohem Druck stehen entwickeln oft plötzlich Unverträglichkeiten, obwohl sie sich vielleicht gut ernähren und auch sonst fit sind. Und das ist kein psychisches Phänomen, das ist Biochemie. Stress landet im Darm. Und ein geschwächter Darm überfordert das Immunsystem. Das wäre hier die Kette.

Soziales Umfeld: Einsamkeit und fehlende Ko-Regulation erhöhen den Cortisolspiegel auch wieder chronisch, das ist der gleiche Mechanismus wie bei Stress. Studien zeigen, dass sozial isolierte Menschen deutlich häufiger Autoimmunerkrankungen entwickeln.

Umwelt: Schimmelpilzsporen, Pestizide, Schwermetalle, Plastik, alle reizen dauerhaft die Darmschleimhaut und das Immunsystem. Wer in einer belasteten Umgebung lebt, hat ein Immunsystem das permanent auf Alarm steht, bis es irgendwann ständig reagiert.

Die Allergie ist also immer das letzte Glied in einer langen Kette. Nie das ursprüngliche Problem.